Sowie Scherholz und Schaber

Den weitaus grössten Anteil der handwerklichen Arbeiten beim Gerben bestehen darin, die anhaftende Fettschicht samt Unterhaut von der Tierhaut zu entfernen, also dem Entfleischen. Neben dem Gerbebaum und dem Schereisen kommen hier auch noch einige andere, zum Teil zweckentfremdete Werkzeuge in Frage, insbesondere für kleinere Felle.

 

Historischer Gerber bei der Arbeit am Scherbaum
„Gerber“. Lizenziert unter CC BY-SA 2.0 de über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gerber.jpg#/media/File:Gerber.jpg

Scherbaum und Scherdegen

 

Zum Entfleischen legt man die Blößen, also die enthaarten Felle oder die Felle mit der Haarseite nach unten auf den Gerbebaum. Die Häute sollten dafür klatschnass sein, damit sie sich gut an den Gerbebaum „ansaugen“ und fest liegen, um so besser kann man arbeiten.Nun stellt man sich an die höhere Seite des Gerbebaumes und stösst von sich weg die Fleisch- und Fettreste von der Tierhaut mit schräg angesetzter Klinge nach unten stossweise ab. Wichtig dabei ist, dass man das Messer weder verkantet, noch seitlich zieht, da sonst Scharten und Schnitte entstehen würden, die auch später im Leder noch sichtbar wären. Wenn man vorsichtig und bedacht zu Werke geht, wird man schnell ein Gefühl für die Arbeit entwickeln die dann recht zügig und angenehm von der Hand geht ohne das Leder zu beschädigen.
Als Selbstversorger wird man sich den Scherbaum oder Gerbebaum üblicherweise selbst herstellen, vorzugsweise aus Hartholz wie etwa Eiche. Grundsätzlich reicht dafür ein gerades und glatt geschliffenes Stammstück das man sich mit Hilfe eines dafür gebauten Bocks in die entsprechende Position baut. Da das aber insbesondere bei Hartholz eine sehr gewichtige Angelegenheit ist, was der späteren Arbeit allerdings entgegen kommt, kann man sich noch überlegen ob man den Stamm halbiert und eventuell sogar noch aushölt. Man kann auch ein entsprechend dickes KG-Rohr zum Scherbaum umbauen, wobei das Arbeiten an einem Holzscherbaum um einiges angenehmer ist und auch die Felle besser liegen. Was den Scherdegen, Schereisen oder Entfleischmesser angeht, so muss man auf entsprechende Produkte des Fachhandels zurückgreifen, die allerdings in Deutschland nicht allzu dicht gesät sind. Es sei denn man möchte selber Schmieden..Fündig wird man hier durchaus auch bei nordamerikanischen Trapper-Ausstattern, natürlich mit den entsprechenden Versandkosten. Hier heissen diese Messer fleshing knife.



Lohgerber auf einem Stich von 1880

Scherholz und Schaber

 

Das Entfleischen auf dem Gerbebaum mit dem Entfleischmesser ist eine sehr angenehme Arbeit, bei der man sehr gute Ergebnisse erzielt wenn man es erstmal "raus" hat.Um damit aber gute Ergebnisse zu erzielen bedarf es leider einer gewissen Mindestgröße, oder genauer gesagt eigentlich eines gewissen Mindestgewichts der Häute damit sie fest liegen und nicht beim Arbeiten hin und her rutschen was die Arbeit umöglich macht. Daher muss man Felle bis etwa Kaninchengröße zum Entfleischen aufspannen und dann mit Schabern oder Messern relativ mühsam entfleischen.Felle die an der Bauchseite nicht aufgetrennt wurden kann man mit der Fleischseite nach aussen auf speziellen Federspannern die es in verschiedenen Größen gibt aufspannen. In den USA wird diese Methode üblicherweise bei Bisam und Biber angewandt, funktioniert aber auch prima bei Kaninchen und Hasen. Auch diese Fellspanner lassen sich über den amerikanischen Trapperbedarf beziehen.Für kleine und sehr kleine Felle kann man sich auch Scherhölzer in verschiedenen Größen anfertigen, die ebenfalls vorzugsweise aus Hartholz bestehen sollten. Diese ähneln kleinen Miniaturscherbäumen und können zum Beispiel mit einer Schraubzwinge an der Werkbank festgeklemmt werden. Zum Entfleischen dieser Häute kann man dann kleine Entfleischmesser, Messerrücken oder verschiedene Schaber verwenden. Hier kann man auch seine Fantasie schweifen lassen und einfach mal rumprobieren, wichtig ist nur dass man selber gut mit dem Werkzeug arbeiten kann und die Haut nicht beschädigt.Wichtig ist, dass man sich langsam an die Materie heran arbeitet und Stück für Stück ein Gefühl für die Arbeit entwickelt, daher solte man erst einmal mit vorhandenen Werkzeugen beginnen und ausprobieren was einem liegt, anstatt direkt in teures Spezialwerkzeug zu investieren, dessen Handhabung einem nachher aber vielleicht gar nicht zusagt.Grundsätzlich geht es ja nur darum, das anhaftende Fett und Unterhautgewebe gründlich zu entfernen oder je nach Arbeitsschritt den Gneiss oder die Haare ohne die Haut zu beschädigen, wie das geschieht ist erst einmal zweitrangig. Für grössere Felle ist der Scherbaum und der Scherdegen sicher die beste Wahl und sehr lange erprobt aber was kleinere Felle angeht muss jeder Hobbygerber seinen eigenen Weg finden.

 



Gerberei in Marokko

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