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Alter Pflug vor einer Bruchsteinwand
Uraltes Wissen moderner als man denkt

 

Einsatz von Zugtieren ? …Im 21. Jahrhundert ???
Vielleicht im Freilichtmuseum, zu Brauchtumszwecken oder um mal einen Baumstamm aus dem Wald zu ziehen…Mag man im ersten Moment denken. Aber wer sich dann ein bisschen mit der Materie befasst wird mit Erstaunen feststellen, wie Lebendig die Zugtier- und insbesondere die Zugpferdeszene in Deutschland und vielen anderen Ländern ist, wenn man auch etwas die Augen aufhalten muss um sie zu entdecken…

 

Arbeitspferd beim Eggen

… und hier geht es keinesfalls nur, wenngleich natürlich auch, darum Traditionen und altes Wissen und Können zu bewahren. Hier wird an der Technik getüftelt und gearbeitet um moderne Maschinen mit Tieren zu betreiben, Arbeitsverfahren für die Forstwirtschaft entwickelt, Lobbyarbeit vom örtlichen Förster bis hin zum Ministerium betrieben und natürlich auch Öffentlichkeitsarbeit geleistet…

 



Der Einsatz von Zugtieren kann für den Selbstversorger durchaus eine interessante und auch vollständige Alternative zur Anschaffung einer doch sehr teuren Maschine darstellen... Und, warum nicht bereits vorhandene Tiere, oder solche die man gerne halten möchte für Arbeiten einsetzen die der Mensch alleine so nicht leisten kann und sie so am Gelingen des Hofes mitwirken lassen und ihnen auch ein bisschen Beschäftigung verschaffen... Fairerweise sei hier gesagt, dass für den ernst zu nehmenden, semiprofessionellen oder auch professionellen Einsatz zu aller erst das Pferd, vielleicht noch das Muli in Frage kommt...

 

 

Zwei grosse Zugochsen ziehen einen Pflug

Da es hier ja aber um die Selbstversorgung gehen soll sollen auch die anderen, möglichen Zugtiere behandelt werden... Warum zum Beispiel nicht den chronisch unterforderten Ziegenbock ein bisschen damit beschäftigen, mit einem kleinen Karren sein Heu selbst zu seiner abgelegenen Hütte zu bringen und sich selber es dabei ersparen die Schubkarre dorthin zu schieben, oder warum nicht dem grossen Hofhund die Freude machen ihn zum Beeren sammeln mitzunehmen, und ihn dabei in einem kleinen Wagen die Ernte nach Hause ziehen lassen...
Wer sich einmal mit dem Thema befasst hat wird unzählige Möglichkeiten finden seine Tiere sinnvoll einzusetzen...

 



Aber natürlich funktioniert es nicht, sich ein Tier zu nehmen, vor einen Karren zu spannen und los zu marschieren...Es bedarf natürlich der entsprechenden, auf das jeweilige Tier
passende Equipment und einer passenden Ausbildung des Tieres... Aber der Einsatz eines einfühlsam und tiergerecht ausgebildeten Zugtieres mit Lasten denen es gewachsen ist, stellt in keinster Weise eine Tierquälerei dar, auch wenn man sich auf entsprechende Gespräche mit Dritten einstellen sollte... Der tiergerechte Zugeinsatz kann dem Zugtier durchaus Spass bereiten, und manch einer wäre sehr erstaunt, mit welchem Zugwillen gut ausgebildete Arbeitspferde sich an Ihre Arbeit machen, ohne dazu geprügelt werden zu müssen. Dabei sollte man nicht dem Irrglauben erliegen, dass es schon mit der entsprechenden Gewalt und Druck ausgebildet sein wird... Ein mit Gewalt ausgebildetes Zugpferd ist eine tickende Zeitbombe und brandgefährlich...kein halbwegs vernünftiger Fuhrman wird sich diesem Risiko aussetzen.

 

Ein Zugpferd schaut aus seiner Stalltür in einem Fachwerkhaus

Auf der anderen Seite wird der unbedarfte Neuling zutiefst beeindruckt sein, wenn er das erste mal sieht, zu was ein eingespieltes Gespann aus einem guten Fuhrmann und seinem gut ausgebildeten Zugtier in der Lage ist auf die Beine zu stellen. Man ist schon wirklich sprachlos wenn man sieht, wie präzise sich ein gutes Arbeitspferd allein durch Stimmkommandos ohne jede physische Verbindung von seinem Fuhrmann steuern lässt. Das bedarf natürlich einer großen Erfahrung und umfänglichen Wissen des Ausbilders und einer gründlichen Ausbildung des Tieres...Es macht aber halt auch einfach Spaß ein Tier auszubilden und Stück für Stück weiter zu kommen. Was das angeht, kann aber natürlich kein Buch, kein Film und auch keine Internetseite die Hilfe eines erfahrenen Ausbilders ersetzen, aber diese Seite kann Ihnen helfen einen Einblick in die Ausbildung eines Zugtieres zu erhalten, und über die entsprechenden Adressen auch helfen, die passenden Personen zu finden, die ihnen die nötige Unterstützung geben können...



Nicht unerwähnt bleiben sollen natürlich auch die ökologische Vorteile des Zugtiereinsatzes:
-Zugtiere arbeiten CO2 Neutral...
-Zugtiere sind aus sich selbst reproduzierbar, ausser Mulis und kastrierte Tiere...
-Zugtiere erzeugen keine Abgase, keinen Feinstaub...
-Zugtiere verbrauchen kein Erdöl oder andere endliche Energieträger...
-Zugtiere arbeiten leise...
-Zugtiere führen nicht zur Bodenverdichtung...
-Bei einer grösseren Selbstversorgerwirtschaft lassen sich Zugtiere aus der eigenen Ernte ernähren...
und zu guter letzt...
-lassen sich Zugtiere nach Ihrem Ableben noch nutzen oder bauen sich komplett und schadstofffrei biologisch ab...

Kuh mit Halfter