Ein wichtiger Schritt um wirklich weiches Leder zu bekommen

 

Das Beizen dient dazu, dem Leder einen seidigen Griff zu verleihen, daher wird es nur dann angewandt, wenn das spätere Leder diese Eigenschaft aufweisen soll.Bis vor etwa 100 Jahren beizte man noch mit Extrementen von Hühnern, Tauben und anderen Tieren, die in Wasser angesetzt mehrere Wochen vergärt wurden. Diese Gülle wurde dann abgesiebt und zum Beizen verwendet. Das Ganze roch dann auch dementsprechend.Das eigentliche Beizen geschah durch die im Kot enthaltenen Enzyme und Fermente, die sich heute künstlich herstellen lassen, so dass das Ganze sehr viel geruchsärmer stattfinden kann. Die Fermente bauen Eiweisse in der Lederhaut ab, wodurch das Leder weicher wird. Als erstes brachte die Firma Röhm Anfang des 20. Jahrhunderts eine künstlich produzierte Beize unter dem Namen Oropon heraus.

 

verschiedenfarbige Leder

Die Firma Röhm stellt bis heute eine ganze Palette von Oropon-Beizen für die verschiedensten Einsatzzwecke in gewerblichen Gerbereien her, wovon für den Hobbygerber aber maximal 2 – 3 in Frage kommen.In gewerblichen Gerbereien wird meist in einem Arbeitsgang gebeizt, wobei dem Hobbygerber eher zu empfehlen ist, in zwei Arbeitsschritten zu beizen, da dass die Gefahr von Fehlschlägen minimiert.Beizflotten setzt man mit 15 – 20 % Wasser, bezogen auf das Blößengewicht an und der ph-Wert soll bei 7-9, also im neutralen bis schwach alkalischen Bereich liegen. Die Temperatur sollte zwischen 20 Grad und maximal 35 Grad liegen. Bei zu niedriger Temperatur können die Beizmittel nicht richtig wirken, und es gilt wie bei allen chemischen Vorgängen in der Gerberei je höher die Temperatur, je schneller die Prozesse.Ideal ist die Temperatur zwischen 30 und 35 Grad, wobei die Temperatur aus den schon häufiger erläuterten Gründen nicht über 35 Grad steigen darf um die Felle nicht zu schädigen. Nennt man keine mechanische Gerbtrommel sein Eigen, muss man die Häute so oft wie möglich bewegen und durchkneten, damit die chemischen Stoffe überall eindringen können und Zersetzungsprodukte ausgeschwemmt werden.Während des Beizvorganges finden in der Haut ständig chemische Prozesse statt. Das Beizen lockert nicht nur das Fasergefüge auf, sondern macht teilweise auch Säureschwellungen rückgängig ind emulgiert und verseift enthaltendes Fett.Je nach Dicke und Hautsorte dauert die Beize bei 30 Grad zwischen 30 Minuten und 5 Stunden und muss ständig überwacht werden um sie im richtigen Moment abzubrechen. Zum Prüfen nimmt man die Haut zwischen Daumen und Zeigefinger und drückt diese zusammen. Bleibt an der Druckstelle eine Vertiefung, ist das Beizen sofort zu beenden. Die Haut ist jetzt in der Fachsprache „verfallen“. Lassen sie die Haut niemals, aus welchem Grund auch immer länger in der Flotte liegen, da sie sonst so stark verfällt, dass sie leicht reisst oder so stark geschädigt wird, dass sie unbrauchbar wird. Man sollte nie vergessen, dass es sich beim Beizen chemisch um einen Verdauungsvorgang handelt.



Beim Ansetzen einer Beizflotte sollte man unbedingt die Herstellervorgaben der Beize-Hersteller beachten und die Verwendundungsanweisung beachten. Die Herstellergeben hier gute undvor allem erprobte Tipps auch in Bezug auf die gewünschte Ledersorte.
ACHTUNG !
Beim Beizen aber auch beim Äschern und Pickeln kann bei mit Schwefelnatrium oder Natriumsulfhydrat geäscherten Blößen durch Einwirken von Säure oder sauren Salzen Schwefelwasserstoffgas entstehen, was sehr giftig ist. Es riecht typisch nach Schwefel, also nach faulen Eiern. Das Einatmen dieses Gases ist besonders gefährlich, deshalb bei diesen Arbeiten immerfür gute Belüftung sorgen. Bei Missachtung und leichtfertigem Umgang damit sind durchaus tödliche Unfälle möglich und auch schon vorgekommen !



Nach Beenden der Beize muss das restliche Beizmittel umgehend sehr gründlich mit reichlich Wasser ausgewaschen werden, da sonst der Beizvorgang weiter geht und die Haut doch noch zerstört wird.
Nach dem Auswaschen wird mit dem Streicheisen noch der Gneist oder Grund entfernt. Im Grunde genommen ist das nur die abschliessende Reinigung der Haut. Man sollte mit dem Streicheisen in Richtung des Haarwuchses arbeiten, weil so der Gneist am besten aus den Poren heraus gepresst wird. Danach spült man die Häute noch einmal gründlich.Als Anfänger sollte man die Arbeit des Streichens langsam und vorsichtig durchführen, da diese Arbeit eigentlich etwas Erfahrung benötigt. Durch zu starkes Verkanten des Streicheisens können in der Haut Scharten entstehen die auch im fertigen Leder noch zu sehen sind. Es wird nur die Narbenseite gestrichen, auf der sich beim Äschern der Gneist gebildet hat. Pelzfelle werden nicht gestrichen.

 

Bein eines Cowboys auf dem Pferd



Leder, Bürste und Lederfett

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