Für geschmeidiges Leder

 

Das Pickeln hat die Aufgabe, das Fasergefüge der Häute aufzulockern, so dass Gerbstoffe gut und tief eindringen können. Bei der Verwendung einiger Gerbstoffe, etwa bei sogenannten synthetischen Gerbstoffen kann auf das Pickeln verzichtet werden.Allerdings nur bei relativ dünnen und nicht sehr fetthaltigen Fellen. Auch bei der Sämischgerbung, einer reinen Fettgerbung kann gegebenenfalls aufs Pickeln verzichten. Auch bei der reinen Alaungerbung wird auf das Pickeln verzichtet, wobei diese Methode meist nur für Felle verwendet werden, die später für die Dermoplastik oder als Wandbehang oder Vorleger verwendet werden sollen und somit nicht zwingend weich sein müssen. Um wirklich weiche Felle zu bekommen, kommt man um das Pickeln meist nicht herum.

 

 

Gefahrsymbol ätzend



Insbesondere bei der Verwendung von Chrom- und Aluminiumsalzen ist das Pickeln von zentraler Bedeutung.Durch den Einsatz von Säuren werden beim Pickeln bestimmte Eiweisse (Proteine) aus dem kollagenen Fasergefüge der Häute heraus gelöst, wodurch die Haut durchlässiger für die Aufnahme der Gerbstoffe wird. Chemisch-physikalisch gesehen findet gleichzeitig ein Wechsel der elektrischen Ladung der Atome statt, was zur Folge hat dass die Gerbstoffe fest an die Lederfasern anlagern können.Während des Pickelvorgangs sollte der ph-Wert immer wieder überprüft werden, was besonders wichtig ist, wenn vorher enthaart worden ist, da dann immer noch Kalkreste in den Häuten vorhanden sind und die Säuren abschwächen.
Zum Pickeln werden im wesentlichen 3 Säuren verwendet:
37% ige Salzsäure
für die meisten Fellsorten wie Schaf, Ziege, Kalb, Hirsch etc.
98-100 %ige Ameisensäure
für dünne Häute von Marder, Kaninchen, Hase und anderen Kleinsäugern
( auch Salzsäure möglich)
95- 98% ige Schwefelsäure
für Schwarten mit hohem Fettanteil wie Dachs, Wildschwein und Robbe
Schwefelsäure hat den Vorteil dass sie Fett gleichzeitig emulgiert, das heisst, dass es in winzige Tröpfchen aufgelöst und so wasserlöslich wird.
Es ist zu beachten, dass Säuren die Häute aufquellen lassen, was die Häute zerstören kann. Deshalb muss unbedingt vorher genügend Salz zugefügt werden.

Ameisen auf einem Stein

Eine Pickelflotte ansetzen

Man wiegt die rohen Häute und gibt die gleiche bis doppelte Menge destiliertes oder Regenwasser in ein ausreichend grosses Gefäss, ohne die Felle. Alle Gefässe sollten aus Holz oder Kunststoff sein.Dann gibt man 60 - 100 Gramm pro Liter (6 - 10 %) Salz hinzu und löst es vollständig auf. Dazu kann man auch einen kleinen Teil des Wassers abnehmen und in diesem unter Kochen das Salz auflösen und diese Lösung dann zurück in die Pickelflotte geben.
Die Pickelflotte sollte nun auf etwa 30 Grad Celsius erwärmt werden ( für den gesamten Pickelprozess).
Dann werden die vorbereiteten (geweichten, gewässerten, entfleischten und gewaschenen) Felle hinein gegeben und kräftig durchgewalkt. Darin bleiben die Häute etwa eine halbe Stunde, schwere Häute auch länger liegen.
Nun werden die Häute wieder heraus genommen und in einem zweiten Gefäss zwischengelagert.
In das Salzwasser wird nun die genau abgewogene Säure hinzu gegeben.
Da Säure ein höheres spezifisches Gewicht als Wasser hat wird Säure immer nach Gewicht bemessen, niemals nach Volumen !Für normale Häute werden 12 - 15 Gramm Säure ( 1,2 - 1,5 %) pro Liter Flotte verwendet.
Für schwere und fetthaltige Häute oder wenn besonders weiches Leder gewünscht werden kann der Säuregehalt auf maximal 3 % ( 30 Gramm pro liter) erhöht werden.
In die Pickelflotte werden nun wieder die Felle eingelegt und sofort durchgewalkt.
Die Felle verbleiben nun mindestens einige Stunden in dieser Flotte.
Schwere und fette Häute können über mehrere Tage gepickelt werden.
Durch das saure Milieu ist die Gefahr der Bakterienvermehrung hier nicht gegeben, sollte der Säuregehalt jedoch gering sein kann man Mortanol 30 zusetzen.
Zwischendurch wird immer mal wieder durchgewalkt.
Das Fasergefüge muss gründlich durchdrungen werden, weshalb man lieber etwas länger als zu kurz pickeln sollte.



Bei der frischen Pickelflotte sollte der ph-Wert 3 nicht unterschreiten, darf somit nicht zwischen 2 und 2,9 liegen.
Man sollte nach einigen Stunden nochmal nachmessen.Ist er dann auf mehr als 3,8 bis 3,9 angestiegen muss noch einmal Säure nachgelegt werden.Dabei vor Zugabe der Säure unbedingt die Häute vorher aus der Flotte nehmen damit diese nicht mit der puren Säure in Berührung kommen ! Dabei niemals das Salz vergessen !Je nach eingesetztem Gerbemittel soll die Säure nach Beendigung des Pickelbades neutralisiert werden, was aber nicht immer notwendig ist. Daher sollte man sichda an die Herstellervorgaben des Gerbemittels halten.
Beim Umgang mit Säure sollte man auf jeden Fall sehr sorgfältig vorgehen und Schutzbrille und Gummihandschuhe auch nutzen !

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